Entwicklung des Ölpreises im September 2016 und Ausblick

Nachdem die Rohölpreise im Juni 2016 ihren diesjährigen Höchststand erreichten, haben sie im Juli 2016 wieder stark nachgegeben worauf sie im August und September wieder anstiegen. Wie bereits im April dieses Jahres sorgten Ankündigungen von Gesprächen einer möglichen Ölförderbegrenzung zu einer spekulativen Aufwärtsbewegung.

Der Rohölpreis der Sorte „Brent“ stieg zwischenzeitlich wieder auf ein Niveau von 50,92 US-Dollar pro Barrel gab aber im Verlauf der Monate August und September wieder nach, stieg aber zum Ende des Monats September wiederholt auf einen Wert von 49,09 US-Dollar pro Barrel. Frühere Einschätzungen mehrerer Opec-Vertreter, dass die Ölnachfrage in 2017 das Angebot übersteigen könnte, rücken in immer weitere Ferne.

Die IEA und einzelne Banken verkündeten auch ein zu erwartendes Ölgleichgewicht im vierten Quartal 2016, spätestens aber im Jahr 2017. Von diesem Ölgleichgewicht sind wir aber noch sehr weit entfernt, was auch die IEA im September erkannte. Am 13.09.2016 senkte die IEA in ihrem Monatsbericht die Nachfrageprognose für das Jahr 2017 um 800.000 Barrel pro Tag.

Die Auswirkungen der gesunkenen Ölpreise sehen wir aktuell an einigen Sparmaß-nahmen in den Opec-Ländern. Der eingebrochene Ölpreis zwang Kuwait Anfang September zu einer kräftigen Benzinpreiserhöhung im eigenen Land, die stärkste seit Jahrzehnten. Auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben die Benzinpreise bereits spürbar anheben müssen, um die fehlenden Einnahmen etwas ausgleichen zu können.

Entgegen den Bestrebungen der Opec-Länder, die Ölfördermengen zu begrenzen, wurde noch nie so viel Rohöl gefördert wie derzeit. Im August 2016 förderten die Opec-Länder 33,69 Millionen Barrel pro Tag.

Der Iran hat seine Fördermengen weiter auf knapp 3,8 Millionen Barrel pro Tag erhöhen können, bis Ende 2016 sollen es bis zu 4 Millionen Barrel pro Tag werden.

Der Irak hat seine Fördermengen um 250.000 bis 300.000 Barrel pro Tag erhöht und fördert somit etwa 4,6 Millionen Barrel pro Tag.

Auch Saudi-Arabien hat seine Fördermengen auf ein Rekord-Niveau von etwa 10,9 Millionen Barrel pro Tag weiter ausgeweitet, um keine Marktanteile zu verlieren.

Zusätzlich werden in Nigeria und in Libyen nach teilweiser Beilegung der Unruhen langsam wieder die Ölfördermengen angehoben. So meldete die staatliche libysche Ölgesellschaft NOC am 15.09.2016 eine Verdoppelung der Ölförderung auf 600.000 Barrel pro Tag, bis Ende 2016 sollen es 950.000 Barrel pro Tag werden. In Nigeria sollen derzeit wohl wieder etwa 1,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert werden, bis Ende 2016 sollen es bis zu 1,8 Millionen Barrel pro Tag werden.

Auch die Nicht-Opec-Länder fördern immer mehr Rohöl, da sie es sich nicht leisten können, Marktanteile zu verlieren.

Russland hat trotz des Preiseinbruchs beim Rohöl und nach wie vor bestehender Wirtschaftssanktionen für September eine rekordverdächtige Ölfördermenge von mehr als 11 Millionen Barrel pro Tag gemeldet.

Kenia tritt als neuer Marktteilnehmer mit bis zu 4.000 Barrel pro Tag in Erscheinung.

Weltweit werden so aktuell knapp 98 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert. Das sind 1 bis 2 Millionen Barrel pro Tag über der aktuellen Nachfrage. Vor diesem Hintergrund überraschte Mitte September eine Meldung des norwegischen Rohstoffkonzerns Statoil im Zusammenhang mit einer mehr als sechs Milliarden Euro schweren Investition in den Ausbau des Ölfeldes „Johan Castberg“ in der Barentssee. Die endgültige Entscheidung soll wohl spätestens 2017 getroffen werden.

Allein die in den letzten fünf Wochen gemeldeten unerwarteten Rückgänge der US-Rohöllagerbestände verhalfen den Ölpreisen zu einem kurzfristigen Ansteigen.

Ankündigungen der Opec-Länder, Ende September bei informellen Gesprächen am Rande der Energiekonferenz in Algier, Ölförderbegrenzungen beschließen zu wollen, verfehlten vor diesem Hintergrund auch ihre Wirkung, da die weltweiten Öllager aufgrund der schieren Ölmengen mittlerweile zu bersten drohen.

Auch Russland als Nicht-Opec-Land war zu diesen Gesprächen eingeladen, sagte kurzfristig ab, signalisierte aber künftige Gesprächsbereitschaft. Immer wieder geäußerte zwischenzeitliche Erklärungen einzelner Förderländer zu etwaigen Bestrebungen einer Preisstabilisierung sorgten für erhebliche Unruhe am Markt und führten zu kurzzeitig sehr volatilen Preisbewegungen. Das eigentliche Ziel der Preisstabilisierung wurde damit aber weit verfehlt. Eine Stabilisierung der Ölpreise ist auf diesem Förderniveau aktuell nicht möglich. Das nötige Wirtschaftswachstum der Schwellenländer und der damit einhergehende Mehrverbrauch kann mit den aktuellen Fördermengen einfach nicht Schritt halten.

Um aber keine Marktanteile zu verlieren wird keines der Ölförderländer freiwillig seine Fördermengen reduzieren. Im Gegenteil, jedes etablierte Ölförderland erhöht stetig seine Ölfördermengen, es kommen sogar bisher völlig irrelevante Länder mit Meldungen zu Förderbestrebungen hinzu.

Umso mehr verwunderte dann doch die Nachricht am 28.09.2016 über eine mögliche Einigung der Opec-Länder über eine Förderbegrenzung. Der Iran, Nigeria und Libyen sollen dem Vernehmen nach wohl davon ausgenommen werden, da die aktuellen Fördermengen in diesen Ländern aktuell noch aus den verschiedensten Gründen hinterherhinken.

Die Ölpreise steigen aktuell vor diesem Hintergrund wieder an. Ein nachhaltiger Anstieg der Ölpreise ist aber fraglich, da derzeit völlig unklar ist, wie eine derartige Förderbegrenzung aussehen könnte und wie diese letztendlich auf die einzelnen Opec-Länder aufgeteilt werden soll. Allein die Überwachung der dann zugeteilten Ölfördermengen ist schlicht unmöglich. So wird es, selbst wenn eine entsprechende Vereinbarung zustande kommen würde, sehr schwer sein, diese umzusetzen.

Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass jedes einzelne Förderland auf seine eigenen Vorteile bedacht ist.

In der 41. Kalenderwoche 2016 soll bei einem Treffen von Opec-Vertretern mit Russland eine Vereinbarung vorbereitet werden, die als Grundlage für das eigentliche ordentliche Opec-Treffen im November dienen soll, auf dem auch Russland eingeladen ist. Diese mögliche Vereinbarung könnte weitreichendere Folgen haben, da Russland die größte Ölfördernation ist, und sehr stark unter fehlenden Staatseinnahmen aufgrund der niedrigen Ölpreise leidet. Bleibt abzuwarten, was die Zeit bis dahin bringt.

Allein die zu erwartenden Ausnahmen werden die Förderbegrenzung wohl verblassen lassen, da die geplanten Produktionssteigerungen die Förderbegrenzung bei Weitem übersteigen werden. So ist die Ankündigung zu Förderbegrenzungen wohl eher als Akt der Verzweiflung zu sehen.

Für eine Stabilisierung der Ölpreise müssten die Förderkürzungen der Opec entschieden höher ausfallen, was den Nicht-Opec-Ländern ungewollt helfen würde, da die Ölpreise auf ein interessantes Einstiegsniveau für dortige Förderungen steigen würden, was wiederum zu einem erneuten Nachgeben der Ölpreise führen würde. Deshalb drehen sich die Ölförderländer derzeit bei ihren Entscheidungen im Kreis. So steigt aufgrund des aktuellen Preisniveaus auch in den USA die Ölförderung weiter an.

Die von Baker Hughes veröffentlichte sogenannte Rig Count legte im September wieder leicht zu. Diese Kennzahl beschreibt die Anzahl neuer Bohrungen und ist sehr stark an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt. Die Ausgaben der Ölförderer werden wieder verstärkt angehoben, Investitionen in Förder- und Anlagentechnik mittel- und langfristig geplant.

Ende September 2016 betrug der Wert weltweit ca. 1.584. Im Vergleich dazu betrug der Wert Ende Januar 2015 noch 3.309 und Ende Juli 2016 noch 1.481.

Allein in den USA ist ein erneuter Anstieg der Förderanlagen von 449 (Ende Juli 2016) auf 509 (Ende September 2016) zu verzeichnen. Die US-Energiebehörde hat ihre Prognose für die US-Rohölproduktion bis Ende 2017 auf 8,6 Millionen Barrel pro Tag angehoben. Die aktuelle US-Rohölproduktion liegt schon bei über 8,5 Millionen Barrel pro Tag, was einen deutlich höheren Wert für Ende 2017 vermuten lässt. In den Hochzeiten vor 2015 wurden in den USA mehr als 12 Millionen Barrel pro Tag gefördert. In den letzten Monaten wurden in den USA über 1.000 neue Bohrlöcher gebohrt, die aktuell in Wartestellung bei einem akzeptablen Ölpreisniveau sehr schnell in Betrieb genommen werden können.

Auch in Kanada ist ein erneuter Anstieg der Förderanlagen von 94 (Ende Juli 2016) auf 141 (Ende September 2016) zu verzeichnen.

Somit wird immer mehr Rohöl auf den Markt geworfen, was die angestaute Gefahr einer Öl-Blase immer weiter erhöht, da Investoren und Banken auf weitaus höhere Ölpreise gesetzt hatten und diese Preiserwartungen nicht erfüllt werden können. Da, wie bereits aufgezeigt, nach wie vor keines der Ölförderländer Marktanteile verlieren möchte, das Wachstum der Schwellenländer nicht Schritt halten kann und die etablierten Industriestaaten immer mehr auf fossile Energieträger verzichten werden, ist ein nennenswerter Preisanstieg aber eher unwahrscheinlich.

Die Deutsche Bank ist in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel für die Risiken, die mit dem derzeitigen Rohstoff- und Derivatehandel verbunden sein können. Die amerikanische Notenbank Fed wird wohl deshalb die Hürden für den Rohstoffhandel erhöhen und höhere Einlagen der Banken fordern, die am Rohstoffhandel teilnehmen.

Hinzu kommt, dass Lagerkapazitäten weltweit mittlerweile knapp werden. Selbst alte, ausrangierte Öltanker werden gechartert und als Öllager genutzt.

Spekulative Anleger werden zunehmend vorsichtiger und ziehen sich weiter aus dem Ölmarkt zurück. Das wird die Nachfrage nach dem schwarzen Gold mittelfristig weiter senken. Die Volatilitäten werden deshalb erheblich zunehmen.

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Stefan Zumpe

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