Entwicklung des Ölpreises im August 2016 und Ausblick

Nachdem die Rohölpreise im Juni 2016 ihren diesjährigen Höchststand erreichten, haben sie im Juli 2016 wieder stark nachgegeben worauf sie im August wieder anstiegen. Wie bereits im April dieses Jahres sorgten Ankündigungen von Gesprächen einer möglichen Ölförderbegrenzung zu einer spekulativen Aufwärtsbewegung.

Der Rohölpreis der Sorte „Brent“ stieg zwischenzeitlich wieder auf ein Niveau von 50,92 US-Dollar pro Barrel fiel aber zum Ende des Monats August wieder auf einen Wert von 46,99 US-Dollar pro Barrel zurück. Frühere Einschätzungen mehrerer Opec-Vertreter, dass die Ölnachfrage in 2017 das Angebot übersteigen könnte, rücken gerade in weite Ferne.

Die IEA und einzelne Banken verkündeten auch ein zu erwartendes Ölgleichgewicht im vierten Quartal 2016, spätestens aber im Jahr 2017.

Unserer Meinung nach sind wir davon aber sehr weit entfernt. Entgegen den Bestrebungen der Opec-Länder, die Ölfördermengen zu begrenzen, wurde noch nie so viel Rohöl gefördert wie derzeit. Im August 2016 förderten die Opec-Länder 33,69 Millionen Barrel pro Tag. Weltweit werden aktuell knapp 98 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert.

Ankündigungen der Opec, Ende September bei Gesprächen in Algerien Ölförderbegrenzungen beschließen zu wollen, verfehlen vor diesem Hintergrund auch ihre Wirkung, da die weltweiten Öllager aufgrund der schieren Ölmengen mittlerweile zu bersten drohen. Immer wieder geäußerte zwischenzeitliche Erklärungen einzelner Förderländer zu etwaigen Bestrebungen einer Preisstabilisierung sorgen für erhebliche Unruhe am Markt und führen zu kurzzeitig sehr volatilen Preisbewegungen.

Das eigentliche Ziel der Preisstabilisierung wird damit aber weit verfehlt. Eine Stabilisierung der Ölpreise ist auf diesem Förderniveau unmöglich.

Das nötige Wirtschaftswachstum der Schwellenländer und der damit einhergehende Mehrverbrauch kann mit den aktuellen Fördermengen einfach nicht Schritt halten. Um aber keine Marktanteile zu verlieren wird keines der Ölförderländer freiwillig seine Fördermengen reduzieren. Im Gegenteil, jedes etablierte Ölförderland erhöht stetig seine Ölfördermengen, es kommen sogar bisher völlig irrelevante Länder mit Meldungen zu Förderbestrebungen hinzu.

Der Iran hat seine Fördermengen weiter auf knapp 3,8 Millionen Barrel pro Tag erhöhen können.

Der Irak erhöht seine Fördermengen um 250.000 bis 300.000 Barrel pro Tag und fördert somit etwa 4,6 Millionen Barrel pro Tag.

Kenia tritt als neuer Marktteilnehmer mit bis zu 4.000 Barrel pro Tag in Erscheinung.

Saudi-Arabien weitet seine Fördermengen auf ein Rekord-Niveau von etwa 10,9 Millionen Barrel pro Tag aus, um keine Marktanteile zu verlieren.

Russland hat für August eine rekordverdächtige Ölfördermenge von 11 Millionen Barrel pro Tag gemeldet.

Auch in Nigeria und in Libyen werden langsam wieder die Ölfördermengen angehoben.

Insgesamt kann man zum Ende des Monats August nach wie vor von einer sehr guten Versorgungslage sprechen, die in Anbetracht der wirtschaftlichen Aussichten eher zu einem kurz- und mittelfristigen Nachgeben der Ölpreise führen wird.

Wie erwartet steigt aufgrund des aktuellen Preisniveaus auch in den USA die Ölförderung weiter an.

Die von Baker Hughes veröffentlichte sogenannte Rig Count legte im August wieder leicht zu. Diese Kennzahl beschreibt die Anzahl neuer Bohrungen und ist sehr stark an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt.

Die Ausgaben der Ölförderer werden wieder verstärkt angehoben, Investitionen in Förder- und Anlagentechnik mittel- und langfristig geplant.

Ende August 2016 betrug der Wert weltweit ca. 1.547. Im Vergleich dazu betrug der Wert Ende Januar 2015 noch 3.309 und Ende Juli 2016 noch 1.481. Allein in den USA ist ein erneuter Anstieg der Förderanlagen von 449 (Ende Juli 2016) auf 481 (Ende August 2016) zu verzeichnen. Die US-Energiebehörde hat ihre Prognose für die US-Rohölproduktion bis Ende 2017 auf 8,6 Millionen Barrel pro Tag angehoben. In den Hochzeiten vor 2015 wurden in den USA mehr als 12 Millionen Barrel pro Tag gefördert. In den letzten Monaten wurden in den USA über 1.000 neue Bohrlöcher gebohrt, die aktuell in Wartestellung bei einem akzeptablen Ölpreisniveau sehr schnell in Betrieb genommen werden können.

Somit wird immer mehr Rohöl auf den Markt geworfen, was die angestaute Gefahr einer Öl-Blase weiter erhöht, da Investoren und Banken auf weitaus höhere Ölpreise gesetzt hatten und diese Preiserwartungen nicht erfüllt werden können.

Da, wie bereits aufgezeigt, nach wie vor keines der Ölförderländer Marktanteile verlieren möchte, das Wachstum der Schwellenländer nicht Schritt halten kann und die etablierten Industriestaaten immer mehr auf fossile Energieträger verzichten werden, ist ein nennenswerter Preisanstieg aber eher unwahrscheinlich.

Spekulative Anleger werden zunehmend vorsichtiger und ziehen sich weiter aus dem Ölmarkt zurück. Die Volatilitäten werden deshalb erheblich zunehmen.

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Ihr Ansprechpartner:
Stefan Zumpe

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