Entwicklung des Ölpreises im Juli 2016 und Ausblick

Die Rohölpreise erreichten im Juni 2016 ihren diesjährigen Höchststand, haben aber im Juli 2016 wieder stark nachgegeben. Der spekulativ getriebene Aufwärtstrend wurde bis in die ersten Julitage durch ungeplante Verknappungen des Angebots unterstützt.

Der Rohölpreis der Sorte „Brent“ fiel nach dem diesjährigen Höchststand von 52,39 US-Dollar pro Barrel Ende Juli 2016 auf einen Wert von 42,01 US-Dollar pro Barrel zurück.

In Anbetracht der aktuellen Rohölpreise überraschte eine Meldung von Chevron zum geplanten Mega-Projekt Tengiz in Kasachstan mit einem Investitionsvolumen von 37 Mrd. US-Dollar. Angeblich können aus dem Ölfeld in der ersten Ausbaustufe 260.000 Barrel pro Tag gefördert werden, in der zweiten Ausbaustufe sogar doppelt so viel. Chevron beziffert die Förderkosten mit ca. 6,50 US-Dollar pro Barrel. Bei diesen Förderkosten könnte selbst Saudi-Arabien mit den bisher günstigsten Förderkosten nicht mithalten. Die marktwirtschaftlichen Gegebenheiten würden sich mit Realisierung dieses Projektes in heute unvorstellbaren Größenordnungen verändern.

Demgegenüber stehen Einschätzungen mehrerer Opec-Vertreter, dass die Ölnachfrage in 2017 das Angebot übersteigen könnte. Entgegen der Bestrebungen der Opec-Länder, die Ölfördermengen zu begrenzen, wurde noch nie so viel Rohöl gefördert wie derzeit. Aktuell sind es 33,41 Millionen Barrel pro Tag.

So wurden die Ölförderanlagen nach den Waldbränden in Kanada größtenteils wieder hochgefahren und werden in den nächsten Wochen Normalniveau erreichen.

Auch die Anfang Juli eingebrochene Rohölförderung in Alaska wurde wieder fast vollständig aufgenommen.

Der Iran hat seine Fördermengen weiter auf ca. 4 Millionen Barrel pro Tag erhöhen können.

Saudi-Arabien weitet seine Fördermengen auch aus, um keine Marktanteile zu verlieren.

Der Opec-Korbpreis fiel folglich Ende Juli bis auf ein Niveau von 40,00 US-Dollar pro Barrel. Der saudische Röhöl-Exporteur Saudi Aramco hatte in der zweiten Juli-Hälfte seine Preise für den asiatischen Markt gesenkt, um zu verhindern, dass der Iran dort Fuss fasst.

Die anhaltenden Probleme in Nigeria und in Libyen haben aktuell keinen nennenswerten Einfluss auf dem Weltmarkt. Das bestätigt das sehr große und weiter wachsende Überangebot von Rohöl am Weltmarkt.

Insgesamt kann man zum Ende des Monats Juli von einer sehr guten Versorgungslage sprechen, die in Anbetracht der wirtschaftlichen Aussichten eher zu einem kurz- und mittelfristigen Nachgeben der Ölpreise führen wird. Wie erwartet steigt auch in den USA die Ölförderung weiter an.

Die von Baker Hughes veröffentlichte sogenannte Rig Count legte im Juli wieder leicht zu. Diese Kennzahl beschreibt die Anzahl neuer Bohrungen und ist sehr stark an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt. Die Ausgaben der Ölförderer werden wieder verstärkt angehoben, Investitionen in Förder- und Anlagentechnik mittel- und langfristig geplant. Ende Juli 2016 betrug der Wert weltweit ca. 1.510.

Im Vergleich dazu betrug der Wert Ende Januar 2015 noch 3.309 und Ende Juni 2016 noch 1.407. Allein in den USA ist ein erneuter Anstieg der Förderanlagen von 431 (Ende Juni 2016) auf 463 (Ende Juli 2016) zu verzeichnen.

Somit wird immer mehr Rohöl auf den Markt geworfen, was die angestaute Gefahr einer Öl-Blase weiter erhöht, da Investoren und Banken auf weitaus höhere Ölpreise gesetzt hatten. Da nach wie vor keines der Ölförderländer Marktanteile verlieren möchte und die Industriestaaten immer mehr auf fossile Energieträger verzichten werden, ist ein nennenswerter Preisanstieg eher unwahrscheinlich. Auch spekulative Anleger ziehen sich weiter aus dem Ölmarkt zurück.

Laut der amerikanischen Aufsichtsbehörde für Rohstoffhandel CFTC (Commodity Futures Trading Commission) haben Hedge-Fonds im Juli vermehrt auf fallende Preise gesetzt, und das wohl auf einem Niveau wie zuletzt im Jahr 2006. Die Volatilitäten werden deshalb erheblich zunehmen.

Zuletzt fielen die Rohölpreise nach Veröffentlichung der US-Lagerdaten am 27.07.2016 auf ein Drei-Monatstief, da die Lagerbestände entgegen den Erwartungen von Analysten weiter gestiegen sind.

 

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Stefan Zumpe

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