Entwicklung des Ölpreises im April 2017 und Ausblick

Der Rohölpreis der Sorte „Brent“ stieg nach der Vereinbarung der Opec-Länder am 30. November 2016 stetig in Richtung 56,00 US-Dollar pro Barrel, verharrte auf diesem Niveau bei relativ geringer Volatilität und fiel zum 28. April wieder auf 51,73 US-Dollar pro Barrel. Anfang des Jahres 2017 lagen die Opec-Fördermengen laut IEA-Monatsberichten bei erstaunlichen aber zu hinterfragenden 32,1 Millionen Barrel pro Tag, wobei Saudi-Arabien den Großteil der Kürzungsmengen übernommen hatte.

In Venezuela spitzt sich derweil die volkswirtschaftliche Lage immer weiter zu. Das Land steuert offensichtlich dem größten Staatsbankrott aller Zeiten entgegen und ist auf seine Öllieferungen angewiesen. Die Situation in Venezuela ist insofern von besonderer Bedeutung, da das Land über die größten Ölreserven weltweit verfügt. Aufgrund der volkswirtschaftlichen Lage werden immer mehr Ölvorkommen ausgebeutet, um die dringend benötigten Staatseinnahmen gewährleisten zu können.
Auf der anderen Seite sind immer wieder Äußerungen der Opec zu einer möglichen Verlängerung der beschlossenen Förderkürzungen zu vernehmen. Am 25. Mai 2017 werden die Opec-Länder darüber beschließen.

Saudi-Arabien wird die Verlängerung der beschlossenen Förderkürzungen in jedem Fall befürworten. Auch Russland als Nicht-Opec-Land steht an der Seite von Saudi-Arabien und unterstützt eine derartige Verlängerung der Förderkürzungen.

Wenn man die offiziellen Angaben der US-Lagerbestände verfolgt, muss man wiederum feststellen, dass diese nach wie vor angestiegen sind, Ende April waren es mittlerweile 528 Millionen Barrel.
Somit ist nicht wirklich weniger Öl im Umlauf. Die Förderquellen des Rohöls verschieben sich derzeit deutlich in Richtung amerikanischer Herkunft. Die US-Energiebehörde hatte Ende Februar neue Prognosen zur Entwicklung der amerikanischen Ölproduktion bekanntgegeben. So sollte die amerikanische Ölproduktion bis Ende 2017 auf ca. 9,2 Millionen Barrel pro Tag und bis Ende 2018 auf ca. 10,0 Millionen Barrel pro Tag steigen. Die amerikanische Ölproduktion lag Anfang April schon bei 9,2 Millionen Barrel pro Tag, aktuell sind es bereits 9,3 Millionen Barrel pro Tag.

Die von Baker Hughes veröffentlichte sogenannte Rig Count legte in den Regionen im April 2017 weiter zu, einzig in Kanada sind ausfallbedingt Rückgänge zu verzeichnen. In Summe fiel die Rig Count weltweit im April 2017 aufgrund von Produktionsausfällen in Kanada etwas zurück. Die Rig Count beschreibt die Anzahl neuer Bohrungen und ist sehr stark an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt.

Die Ausgaben der Ölförderer werden wieder verstärkt angehoben, Investitionen in Förder- und Anlagentechnik mittel- und langfristig geplant. Ende März 2017 betrug der Wert weltweit 1.985. Ende April fiel der Wert aufgrund weiterer Produktionsausfälle in Kanada auf 1.917 zurück. Im Vergleich dazu betrug der Wert Ende Januar 2015 weltweit 3.309 und Ende Januar 2017 1.918.

Allein in den USA ist ein erneuter Anstieg der Förderanlagen von 789 (Ende März 2017) auf 853 (Ende April 2017) zu verzeichnen. In Kanada ist ein durch Waldbrände hervorgerufener ausfallbedingter weiterer Rückgang der Förderanlagen von 253 (Ende März 2017) auf 108 (Ende April 2017) zu verzeichnen. Aufgrund des aktuellen Ölpreisniveaus wird sich die Entwicklung der Ausweitung der Förderquellen trotz der Produktionsausfälle in Kanada sehr wahrscheinlich maßgeblich beschleunigen, da die in Wartestellung befindlichen us-amerikanischen Fracking-Anlagen sehr schnell angefahren werden können und ständig neue hinzukommen.

Damit hat sich die us-amerikanische Fracking-Industrie tatsächlich nachhaltig zum sogenannten Swing-Produzenten und damit zum Taktgeber der Ölproduzenten entwickelt und beeinflusst die weltweiten Marktpreise somit erheblich. Diese Situation stellte sich bereits in den Jahren 2014 und 2015 ein, wodurch die Ölpreise Anfang letzten Jahres bekanntermaßen unter 30,00 US-Dollar pro Barrel fielen.
Eine ähnliche Entwicklung ist in näherer Zukunft nicht auszuschließen, unter den aktuellen Vorzeichen ja sogar immer wahrscheinlicher. Anfang April warnte der einstige Ölbohr-Primus Seadrill seine Aktionäre vor einem möglichen Totalverlust, da die Energiekonzerne aufgrund des niedrigen Ölpreises immer weniger Bohrungen beauftragen.

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Ihr Ansprechpartner:
Stefan Zumpe

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