Entwicklung des Ölpreises im Juli 2017 und Ausblick

Der Rohölpreis der Sorte „Brent“ stieg nach der Vereinbarung der Opec-Länder am 30. November 2016 stetig in Richtung 56,00 US-Dollar pro Barrel und verharrte die ersten drei Monate des Jahres 2017 auf diesem Niveau bei relativ geringer Volatilität. Seit April 2017 nahm die Volatilität aber wieder stark zu. In der Folge gab der Rohölpreis weiter nach und fiel zum 30. Juni 2017 wieder auf 47,92 US-Dollar pro Barrel, stieg aber zum 31. Juli 2017 wieder auf 52,65 US-Dollar pro Barrel.

Das Ziel der Opec, die Lagerbestände zu reduzieren und damit die Preise zu stabilisieren, oder besser noch ansteigen zu lassen, scheint derzeit Wirkung zu zeigen. So sind die US-Rohöllagerbestände laut der Energy Information Administration (EIA) gegen Ende Juli um weitere 1,53 Millionen Barrel auf mittlerweile 481,9 Millionen Barrel gesunken. Ob für den Rückgang der US-Rohöllagerbestände die Opec-Förderkürzung oder eher die saisonal bedingt gestiegene Weiterverarbeitung der Ölprodukte verantwortlich sind, ist aktuell nicht wirklich erkennbar. In den USA werden in den Sommermonaten aufgrund der urlaubsbedingten „Driving Season“ mehr Kraftstoffprodukte hergestellt als im restlichen Jahr. Jedenfalls hilft der höhere Ölpreis den US-amerikanischen Ölförderern, die eigenen Quellen wirtschaftlicher auszubeuten und immer mehr Bohrlöcher zu aktivieren. Damit erweisen sich die Opec-Länder aktuell selbst einen Bärendienst, da die Förderkürzungen sehr kurz gedacht sind und eine akute Gratwanderung darstellen. Die International Energy Agency (IEA) geht aktuell von einer Nachfrage nach Opec-Öl von 32,6 Millionen Barrel pro Tag in den Jahren 2017 und 2018 aus. Damit vertritt auch die IEA nach wie vor die Meinung, dass auch im Jahr 2018 ein Überangebot am Ölmarkt vorherrschen wird. Auch die Opec selbst erwartet in 2018 trotz der beschlossenen Förderkürzungen ein Öl-Überangebot. Das zeigt die Brisanz des Themas. Zumal sich immer mehr Opec-Länder nicht an die vereinbarten Förderkürzungen halten. Allein in Nigeria und Libyen, die beide von den Kürzungsbeschlüssen ausgenommen wurden, sind die Fördermengen seit April um circa 600 Tausend Barrel pro Tag gestiegen. So wurden von den Opec-Ländern im Juli laut Reuters 33,0 Millionen Barrel pro Tag gefördert, woran zu erkennen ist, dass die Disziplin der Opec-Länder vermehrt nachlässt. Das erste Land, das aufgrund leerer Staatskassen offiziell seinen Ausstieg aus dem Kürzungsprogramm bekanntgab, war Ecuador. Der Iran deutete den Willen einer Produktionsausweitung von aktuell 3,6 Millionen Barrel pro Tag auf 6 Millionen Barrel pro Tag innerhalb der nächsten fünf Jahre an. Zwischenzeitlich legten die Ölpreise wieder etwas zu, nachdem Saudi-Arabien auf einem Treffen der Öl-Minister am 25. Juli 2017 in St. Petersburg weitere Kürzungen für August ankündigte.

Die Lage in Venezuela ist derweil weiterhin unverändert. Das Land steuert offensichtlich dem größten Staatsbankrott aller Zeiten entgegen und ist auf seine Öllieferungen angewiesen. Die Situation in Venezuela ist insofern von besonderer Bedeutung, da das Land über die größten Ölreserven weltweit verfügt. Da verwundert es nicht, dass sich Russland als Geldgeber anbietet und sich im Gegenzug den Zugang zu den riesigen Ölfeldern des Landes zu Tiefstpreisen sichert. Seit Anfang 2017 verhandelt offenbar der russische Ölkonzern Rosneft mit dem venezolanischen Ölkonzern PDVSA über Beteiligungen an den riesigen Ölfeldern, um das Öl auf dem Weltmarkt zu verkaufen. So gelangt offenbar ein Großteil des venezolanischen Öls trotz der bestehenden Russland-Sanktionen über Zwischenhändler in die USA.

Ein weitere Konflikt braut sich gerade in Nordkorea zusammen. Die Verbalattacken zwischen den USA und Nordkorea spitzen sich in letzter Zeit immer mehr zu. Grund sind die vermehrten Raketentests Nordkoreas. Mittlerweile verfügt Nordkorea über ernstzunehmende Interkontinentalraketen, die auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Deshalb ist die Lage in Asien gerade äußerst angespannt, da auch ein militärisches Eingreifen nicht auszuschließen ist. Jedenfalls zieht Nordkorea immer mehr Aufmerksamkeit auf sich, wodurch sich in Folge bestehende Machtgefüge stark verändern könnten. Diese Veränderungen könnten sich auch sehr stark auf Öllieferungen auswirken.

Dem steht eine Meldung vom 12. Juli 2017 entgegen. Am besagten Tag wurde von der Firma Sierra Oil & Gas der Fund eines großen Ölfeldes vor Mexiko bekanntgegeben, in dem bis zu 2 Milliarden Barrel Öl vermutet werden.

Am 06. Juli 2017 konnte der interessierte Leser im Management Magazin lesen, dass in Norwegen eine riesige Fabrik für synthetischen Diesel gebaut wird. Geplant sind seitens des Unternehmens Nordic Blue Crude zehn Fabriken, in denen auf Basis von Kohlendioxid, Wasser und elektrischem Strom aus Wasserkraft synthetischer Diesel hergestellt werden soll. Damit wäre ein ökologisches und nachhaltiges Substitut zu den herkömmlichen Öl-Destillaten möglich. In Größenordnungen gedacht, wäre somit ein ökologischerer und nachhaltigerer Betrieb der derzeit umstrittenen Dieselmotoren aber auch der noch sehr verbreiteten Heizölheizungen möglich. Sollte das Verfahren wirtschaftlich darstellbar sein, wäre es eine ernste Konkurrenz zu den herkömmlichen Öl-Destillaten und würde den Markt erheblich unter Druck setzen. Zumal das benötigte Kohlendioxid mittels riesigem Staubsauger aus der Luft gewonnen werden soll. Der immer wieder beschriebene Peak-Oil könnte somit einfach ausbleiben.

Unabhängig davon fordern immer mehr Staaten die Abkehr vom Verbrennungsmotor.

Während in den USA neue Sanktionen gegen Russland beschlossen wurden, suchen Russlands Ölkonzerne nach Verbündeten in Amerika. Dabei geht es auch um die geplante zweite Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, gegen die der US-Senat Front macht. So bietet Russland ExxonMobil Ölfelder an. Aufgrund der Sanktionen überdenken erste Energieversorgungsunternehmen ihre Beteiligung an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

Die amerikanische Ölproduktion lag im Juli 2017 bei 9,35 Millionen Barrel pro Tag. Was die Preise auch deutlich unter Druck setzt. Amerikanische Unternehmen haben mittlerweile auch eine vielversprechende Finanzierungsmethode entwickelt. In sogenannten „DrillCos“ werden Gemeinschaftsunternehmen gegründet, in denen Finanzinvestoren ihr Geld mit den Geldern des Produzenten zusammenlegen. Auf diese Weise wurden in letzter Zeit offensichtlich mehrere Milliarden Dollar für die Finanzierung eingesammelt.

Die von Baker Hughes veröffentlichte sogenannte Rig Count legte im Juli 2017 wieder deutlich zu. Auch in Kanada sind nach den ausfallbedingten Rückgängen weiter starke Anstiege zu verzeichnen. Die Rig Count beschreibt die Anzahl neuer Bohrungen und ist sehr stark an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt. Die Ausgaben der Ölförderer werden wieder verstärkt angehoben, Investitionen in Förder- und Anlagentechnik mittel- und langfristig geplant. Ende Juni 2017 betrug der Wert weltweit 2.041. Ende Juli 2017 stieg der Wert wieder auf 2.110. Im Vergleich dazu betrug der Wert Ende Januar 2015 weltweit 3.309 und Ende Januar 2017 1.918. Allein in den USA ist ein erneuter Anstieg der Förderanlagen von 931 (Ende Juni 2017) auf 953 (Ende Juli 2017) zu verzeichnen. In Kanada ist ein Anstieg der Förderanlagen von 150 (Ende Juni 2017) auf 198 (Ende Juli 2017) zu verzeichnen.

Aufgrund des aktuellen Ölpreisniveaus wird sich die Entwicklung der Ausweitung der Förderquellen sehr wahrscheinlich maßgeblich beschleunigen, da die in Wartestellung befindlichen us-amerikanischen Fracking-Anlagen sehr schnell angefahren werden können und ständig neue hinzukommen. Damit hat sich die us-amerikanische Fracking-Industrie nachhaltig zum sogenannten Swing-Produzenten und damit zum Taktgeber der Ölproduzenten entwickelt und beeinflusst die weltweiten Marktpreise somit erheblich.

Diese Situation stellte sich bereits in den Jahren 2014 und 2015 ein, wodurch die Ölpreise Anfang letzten Jahres bekanntermaßen unter 30,00 US-Dollar pro Barrel fielen. Eine ähnliche Entwicklung ist in näherer Zukunft nicht auszuschließen, unter den aktuellen Vorzeichen ja sogar immer wahrscheinlicher. Jedenfalls ist mit einer erheblichen Zunahme der Volatilität zu rechnen.

 

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Ihr Ansprechpartner:
Stefan Zumpe

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